Das Arbeiten in Neuseeland…

Das Arbeiten in Neuseeland…

ist ohne Zweifel ein anderes als in Deutschland. Sicher kommt es ganz auf die Branche, die Umgebung und den Job an. Allerdings haben wir unsere Erfahrungen von der Jobsuche bis hin zum Arbeitsalltag gemacht und können berichten. Aber eines nach dem anderen!

Voraussetzungen für die Aufnahme der Tätigkeit

Grundvoraussetzung für die Aufnahme der Tätigkeit ist ein gültiges Arbeitsvisum! Hierbei spielt es keine Rolle, ob es ein zweijähriges Arbeitsvisum oder ein Working Holiday Scheme ist. Mit einem Visitor Visa ist ausschließlich Freiwilligenarbeit ohne Bezahlung gestattet. Wichtig für den Arbeitgeber ist die sogenannte ,,Application Number“ des Visums, welche die Firma bei der Vertragsunterzeichnung beziehungsweise der Einstellung angeben muss. Auch für alle weiteren Angelegenheiten ist diese Nummer unerlässlich. Visa sind ganz einfach online zu beantragen.

Bankaccount und Steuernummer (IRD)

Hast du ein gültiges Visum? Dann kannst du dich um einen Bankaccount und eine Steuernummer kümmern. Für den Bankaccount bieten diverse Banken verschiedene Möglichkeiten an. Unserer Erfahrung nach hat es sich bezahlt gemacht, einen Kiwibank-Account einzurichten, da die Filialen immer mit einer der Poststationen verknüpft sind. Dies bietet den Vorteil, dass hier auch andere wichtige, wie zum Beispiel postalische, Geschäfte erledigt werden können. Des Weiteren fungiert die Post als eine Art multifunktionales ,,Amt“, wie es uns aus Deutschland nicht bekannt ist. Man kann hier neben der Steuernummer auch die Bankgeschäfte oder Kraftfahrzeugzulassungen und Ummeldungen erledigen.

Voraussetzungen und Einrichtung :

  1. Beantrage zunächst online bei der Kiwibank (insofern du dich für diese Bank entschieden hast) deinen Account.
  2. Während des Beantragungsverfahrens bekommst du eine ,,Access Number“ für deinen online Account.
  3. Verifiziere dich mit Hilfe eines Telefonates – eine neuseeländische Telefonnummer ist von Vorteil.
  4. Geh zu einer Filiale der Post – oder Kiwibank, um dich zu autorisieren und deinen Account freizuschalten.
  5. Du benötigst das gültige Visum mit der ,,Application Number“ .
  6. Einen Nachweis des Wohnsitzes (Neuseeland hat kein Einwohnermeldeamt wie wir es aus Deutschland kennen. Es spielt also keine Rolle, ob es ein Mietvertrag, ein Schreiben des Hotels oder des Hostels ist, welches bestätigt, dass man derzeit eine feste Wohnadresse hat)
  7. Deinen Reisepass.
  8. Für das Beantragen deiner IRD (Steuernummer) muss das IR 742 (IRD number application – non-resident) ausgefüllt sein!
  9. Wir raten – Autorisierung und Beantragung der IRD in einem Schritt zu erledigen, da man hierfür die gleichen Nachweise (Reisepass und Visum) benötigt.

Die Beantragung der IRD nimmt einige Zeit in Anspruch und kann, bis du sie ausgestellt bekommst, bis zu drei Wochen dauern. Wer bereits eine Jobzusage besitzt, dem raten wir, sich die IRD via Mail zukommen zu lassen. Diese kann dann gleich an den Arbeitgeber weitergeleitet werden, da dieser verpflichtet ist, sofern keine IRD vorliegt, das Gehalt mit dem höchsten Steuersatz von 33% zu versteuern. Nachdem der Account der Bank eingerichtet und die IRD beantragt ist, steht dem Aufnehmen eines Arbeitsverhältnisses nichts mehr im Weg.

Ausblick auf den CBD, die Bucht und den Hafen Aucklands – so arbeitet es sich gern!
Frühstück am Strand von St. Heliers

Arbeit finden

Schon auf dem bestätigten Visum sind verschiedene Plattformen wie Seek und Indeed beschrieben. Auf diesen kann man sich einen Account einrichten und seine persönlichen Daten eingeben. Es ist möglich eine Art Lebenslauf im System zu hinterlegen, welcher bei der Bewerbung direkt an den Arbeitgeber gesendet wird. Interessant ist, dass der Lebenslauf – hier CV, völlig anders gestaltet wird, als man es aus Deutschland kennt. Ziel der CV´s ist es, alles über deine Person auf einer einzigen Seite darzustellen. Es ist also ein Anschreiben, Motivationsschreiben und Lebenslauf in einem. Alle wesentlichen Kernkompetenzen, die Schul- und Ausbildung, und den beruflichen Werdegang zzgl. einer kurzen Beschreibung seiner Selbst, werden in verschieden geordneten Spalten zusammengefasst. Es ist eine Art Tafel oder Plakat.

Aber auch direkt auf den Websites der Firmen kann man sich bewerben. So fand Markus seinen Job! Er bewarb sich online, lud seinen CV hoch und wurde direkt am folgenden Tag zu einem ,,Interview“ eingeladen.

Die Bezahlung

Wer in Neuseeland ein deutsches System der Bezahlung erwartet, der wird enttäuscht werden. Hier wird die Bezahlung des Personals nicht monatlich vorgenommen, sondern vierzehntägig oder gar wöchentlich! Auf dem „Payslip“ (der Gehaltsabrechnung) sind die geleisteten Stunden der vergangenen Woche zu sehen und die Gesamtzahl der vertraglich geregelten Stunden. Abgezogen werden, nicht wie in Deutschland, neben der Einkommenssteuer auch die diversen Sozialabgaben, sondern nur der Steuersatz, der für einen zutreffend ist. Um die Sozialversicherungen kümmert man sich selbst. Der „Payday“ ist nicht geregelt und kann von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ausfallen. So kommt es, dass Mitarbeiter einer Firma beispielsweise immer an einem Mittwoch bezahlt werden, andere montags. Die Steuersätze schwanken je nach Jahresverdienst. Dabei ist der niedrigste Satz mit 17,5 % und der höchste mit 33 % zu beziffern.

Markus berichtet von seinem Job als…

Mitarbeiter in einer Firma, welche für die Stadt Auckland das sogenannte ,,Auckland Council“ arbeitet. Die Aufgabe klingt relativ simpel. Für alle Stadtzentren der Vororte, aber auch des CBD Aucklands, ist die Firma zuständig für: Verkehrswege und Straßen, Fußwege, Parks, Reserves, das Anlegen von Beeten, Bepflanzungen und Holzfällarbeiten.

Es ist eine völlig neue Erfahrung, in einem anderen Land mit anderen Kulturen, Mentalitäten und Gegebenheiten zu arbeiten, und es verlangt schon allerhand! Der Auszug aus dem Tagebuch verrät einiges …

Einsatz am Howick Beach

Nach der online Bewerbung auf der Website der Firma und dem Jobinterview dauerte es einige Zeit bis zur Zusage. Als ich dann angerufen wurde und so die Zusage bekam, sollte ich schnellstmöglich die nötigen Verträge unterschreiben. Den Arbeitsvertrag, die Stellenbeschreibung, diverse Belehrungen und Einverständniserklärungen, den KiwiSaver (eine Rentenversicherung auf welche ich keinen Anspruch habe) die Steuernummer und und und …

Die Belehrungen erfolgten über ein Online-Portal, auf welches ich direkt zugeschaltet wurde. Über dieses Portal werden auch Notfallkontakte, Urlaube und Schulungen realisiert, hinterlegt und eingetragen. Es ist ziemlich einfach, da man auf das Abgeben lästiger Urlaubsscheine verzichtet. Womit ich noch nie Berührungen hatte, sind sogenannte ,,OFF“- Days. Es sind Tage, an denen man nicht zu Arbeit geht, sich auch abmeldet, aber ebenso nicht bezahlt wird. Es scheint hier gängige Praxis zu sein.

An meinem ersten Arbeitstag fahre ich mit der Bahn nach Mt. Wellington in die „Site“ und erfahre als Erstes, dass die Kiwis es nicht allzu genau mit der Zeit nehmen. Geladen war ich 06:45 Uhr und bin ganz deutsch und überpünktlich. Der Manager, welcher für mich verantwortlich war, kreuzt selbstverständlich erst 07:15 Uhr auf. Egal – der Tag beginnt mit einer Sicherheitseinweisung, dem Einkleiden mit PPE und Arbeitsklamotten und dem Kennenlernen diverser Leute wie Schichtleiter, Kollegen und meinem für mich verantwortlichen Teamleader. Schon bald darauf steige ich in den Firmenwagen und werde mit der Arbeit vertraut gemacht. Es ist für den ersten Tag relativ einfach. Wir befreien in diversen Straßenzügen die Bordsteine, die Straßen und Fußwege von Gras. Mit der Hacke und einem Beutel bewaffnet geht es los. Die Arbeit wird in den kommenden Wochen noch umfangreicher. Alles soll nacheinander aufbauen und nach und nach sollen Kurse, Bepflanzungen, Umgang mit ,,Power Tools“ wie Laubbläser, Rasentraktoren oder Baumfräsen dazu kommen, sodass wir in den Parks vollen Einsatz leisten können.

Aber was mich jetzt schon stört ist dieses ,,Have a break“. Und noch einmal ,,Have a break“! Alle Nase lang machen wir eine ewig lange Pause und strecken schon den ersten Tag unnötig in die Länge. Was kommt noch? Wie sehen die kommenden Tage aus? Suspekt wird mir der Tag erst recht, als mein Teamleader mich fragt, ob ich ihm mal 9 NZ$ leihen könnte. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahne? Mit meinem Teamleader, der mich richtig rein legen wird und dem Schichtleiter werde ich noch riesen Stress haben!

Markus Kirchhof
Ausschnitt aus dem Reisetagebuch ,,Ein unerwarteter Kiwi – Während der Reise geboren“

Im Albert Park des CBDs

Auch wenn dieser Auszug aus dem Reisetagebuch ein eher düsteres Kapitel abbildet. So ist es ganz und gar nicht! Alles in allem wendete sich das Blatt trotz der beginnenden schlechten Erfahrungen zu Guten! Die Arbeit macht Spaß und ist nach der Beurteilung von Markus, der mittlerweile schon länger als einen Monat in der Firma arbeitet, in einer richtigen Work – Life Balance. Auch innerhalb des Tages werden ,,Breaks“ so gestaltet, dass man zwar zum einen geschafft von der Arbeit kommt, aber immer noch genug Energie für den Tag nach der Arbeit hat.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Huebler

    Habe heute endlich mal Zeit gefunden zu lesen.
    Ist schon interessant, was da so abgeht. Auf jeden Fall freue ich mich, dass es Euch gut geht und Ihr so zu sagen mit beiden Beinen im neuseeländischen Leben angekommen seid.
    Freue mich auf weitere Berichte.
    LG die Moni (KCE – Mama)

  2. Moni

    Habe heute endlich mal Zeit gefunden zu lesen.
    Ist schon interessant, was da so abgeht. Auf jeden Fall freue ich mich, dass es Euch gut geht und Ihr so zu sagen mit beiden Beinen im neuseeländischen Leben angekommen seid.
    Freue mich auf weitere Berichte.
    LG die Moni (KCE – Mama)

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