,,Das Kind kommt während unserer Weltreise!"

Einige haben uns für verrückt erklärt.

 copyright_timetogo

Die Geburt im Ausland...

während einer Reise oder eines Aufenthaltes zu realisieren ist eine sehr große Aufgabe und stellt in gewisser Weise auch eine Herausforderung dar. Wer Tipps und Ratschläge für die Verwirklichung seiner Träume braucht, der ist hier genau richtig. Es war eine unserer schönsten Erfahrungen mit einer Entfernung von 18.000 km zum Heimatland ein Kind in der weiten Welt zu bekommen und die Zeit miteinander zu genießen.

Liebe Leserinnen und Leser,

wie auch auf der Schwanger Reisen Seite teilen wir hier einen der intimsten Momente unseres Lebens. Und auch hier soll es denjenigen, die sich im Ausland befinden oder die Geburt im Ausland planen, eine Unterstützung und eine Hilfe sein. Wir geben unsere Ratschläge, Informationen weiter und teilen unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit euch, sodass ihr vielleicht das ein oder andere mitnehmen oder für euch besser gestalten könnt. Auch auf dieser Seite werden wir viele nützliche Informationen geben und es immer mit uns vergleichen bzw. erläutern, wie es während unserer Schwangerschaft, der Geburt und nach der Geburt ergangen ist.

Wir geben aber auch ein Wort der Warnung. Unserer Erfahrung nach ist die Welt ist auf diese ,,Art“ – sein Kind nicht in Deutschland im Krankenhaus zu bekommen – nicht eingestellt. Und sicher werden Menschen in eurem Umfeld mit Unverständnis und Ablehnung reagieren. Wir wollen euch ein Stück der Kraft und den Mut geben und sagen euch auch hier: ,,Es lohnt sich in jeder Sekunde. Wir haben so unglaublich viel Zeit füreinander, gemeinsam zu einer Familie zu wachsen. Und die Kinder wachsen so schnell! Die Meisterleistung, welche von den Eltern abverlangt wird, zu teilen, sodass man sich gut auf Situationen einlassen kann und es weniger stressig für alle sein muss“.

Diese gemeinsame Zeit wird euch niemand nehmen; GENIEßT SIE!

Wir wünschen euch bei der Realisierung eurer Träume und der werdenden Familie alles alles Gute!

Plant alles gut und ihr werdet belohnt werden

Liebe Grüße

Markus und Anna

20200504_123844[1]

Geburtsort festlegen

Ein paar Gedanken über das Geburtsland seines Kindes sollte man sich schon machen. Sicher gibt es auch Verfechter davon, einfach so lang zu reisen, bis der Bauch oder die Geburt es nicht mehr zu lässt. An dieser Stelle muss man bemerken, dass es ein großes Stück Arbeit ist, eine Geburt, welche nicht im Heimatland stattfinden soll, zu realisieren und das es sicher von Vorteil ist, wesentliche Schritte zu organisieren! Dabei ist zu beachten, wer Flugreisen beabsichtigt, sollte vor der 30. Schwangerschaftswoche ankommen. Viele Fluggesellschaften fliegen mit Frauen ab er 30. Schwangerschaftswoche gar nicht mehr oder nur mit einem ärztlichen Attest. Grundvoraussetzung, war für uns, ein Land zu finden welches medizinische Versorgung, Kranken- oder Geburtshäuser und einen entsprechend langen Aufenthalt in einem vereinigt. Es ist von jedem selbst abhängig, ob er schon vor oder auch während Reise Kontakte zu Hebammen, Krankenhäusern oder Geburtshäusern aufnimmt. Wichtig für den Geburtsort ist die Tatsache, dass man ein gültiges Visum oder eine gültige Aufenthaltsgenehmigung hat. Empfehlenswert ist hierbei auch, dass man mindestens ein halbes Jahr im Land bleiben darf. Somit ist sichergestellt, dass genügend Zeit vor und nach der Entbindung zur Verfügung steht, um wesentliche Sachen zu organisieren und dem Nachwuchs Zeit zur Verfügung stellt, sich an die Welt zu gewöhnen. Ebenfalls muss über die Art der Unterkunft am Geburtsort nachgedacht werden.

Folgende Fragen haben wir uns gestellt:

  • Welches Land und wie gelange ich dorthin?
  • Wie ist die medizinische Versorgung? Ist diese ausreichend?
  • Welches Visum oder welche Aufenthaltsgenehmigung benötige ich? Wie lange darf ich damit im Land bleiben?
  • Hebamme; Geburts- oder Krankenhaus 
  • Miete ich ein Hotelzimmer oder eine kleine Wohnung um die ersten Monate vor und nach der Geburt zu bleiben?
  • Wie komme ich an Reisedokumente, Reisepässe, Geburtsurkunden? Ist dafür ein deutsches Konsulat in der Nähe?

Visum und Aufenthalt

In erster Linie ist es grundlegend, die Frage nach dem Aufenthalt zu stellen! Wer sich für die Geburt im Ausland entscheidet muss sich um ein gültiges Visum, welches einen langen Aufenthalt generiert, kümmern. Dabei ist entscheidend, genügend Zeit für Monate oder Wochen vor und nach der Geburt zur Verfügung zu haben. In bestimmten Arten des Visums oder der Aufenthaltsgenehmigung sind die Kosten einer Schwangerschaft und Entbindung mit enthalten. Daher raten wir, sich vorzeitig um den Ort der Geburt zu kümmern und die Konditionen  des Visums gründlich zu lesen! 

…ein Beispiel von unserer Seite:

Wer in Neuseeland ein Arbeitsvisum genehmigt bekommt, welches über mindestens 2 Jahre gültig ist, der hat Anspruch auf founded Maternity Care. Dies gilt auch, wenn die Schwangerschaft bereits besteht und bezieht sich nicht nur auf die schwangere Frau, auch der werdende Vater wird berücksichtigt. Es ist also egal wer von beiden Elternteilen das Arbeitsvisum hat, eines reicht aus, um dem Kind Anspruch auf Maternity Care zu gewährleisten, übrigens auch wenn man nicht verheiratet ist, die gemeinsame elterliche Sorge ist Grundlage. Unter den Bereich founded Maternity Care fällt unter anderem die kostenlose Betreuung und Vorsorge durch eine Beleghebamme, die Geburt im Geburtshaus oder im Krankenhaus und die Nachsorge der Hebamme.

Die Dauer des Aufenthaltes ist von jedem Paar oder jeder Familie selber abhängig. Dennoch muss man daran denken, dass der neue Erdenbürger eine gewisse Zeit benötigt, um sich an die neue Welt zu gewöhnen. Die Kinder lernen alles neu! Jedes Geräusch, Körperkontakt, stressige Situationen, Gefühle! Es muss eine grauenvolle Vorstellung sein, wenn dann noch die gerade sicher gewonnene Umgebung ständig wechselt. Daher sollte man vielleicht davon absehen, gleich im zweiten oder dritten Monat weiter zu reisen. Lieber kann man sich an den täglich neu dazu gelernten Fähigkeiten seines Kindes erfreuen. 

Was ebenso in betracht gezogen werden muss: ,,Je nach Art und Komplikationen der Geburt, sollte sich auch die Erholung und Genesung der Mutter gestalten. Denn nach der Geburt ist der ,,Kraftakt“ noch nicht vorbei. Heilung, Kontrolle, der Stillvorgang, das aneinander gewöhnen, Stress, schlaflose Nächte, vielleicht auch mal Ärger und die ein oder andere verzweifelnde Situation wirken auf die kleine Familie ein.   

Was kostet eine Geburt

Diesbezüglich können wir nur von uns berichten! Wir versuchten in Deutschland heraus zu finden, was eine Geburt in verschiedenen Ländern dieser Erde kostet und haben keine Antworten gefunden, nicht mal grobe Schätzungen. In Neuseeland konnten wir allerdings mehr erfahren. Hier findet ihr zum einen Kosten die wir getragen haben und zum anderen Kosten, die wir herausfinden konnten. Die Angaben ergeben sich aus Dokumenten sowie Preislisten, welche wir von den Kranken- und Geburtshäusern bekommen haben. Folgende Aussage können wir treffen: ,,Wer keine Krankenversicherung oder ein entsprechendes Visum hat, welches die Kosten übernimmt, der sollte sich einen Puffer von ungefähr 5.000 € zulegen, um auf der sicheren Seite zu sein. Sicher weichen die Preise je nach Land ab; allerdings können wir uns für Neuseeland und Deutschland auf diese Preishöhe berufen.“

Betreuung durch die Hebamme :

  • Vorgeburtliche Untersuchungen Hebamme (7 Termine a 63,25 NZ$) = 442,75 NZ$
  • Betreuung der Hebamme während der Geburt = ca. 1.400 NZ$
  • Nachgeburtliche Untersuchungen Hebamme (4 Termine a 70,23 NZ$) = 280,92 NZ$

Die Geburt im Geburtshaus :

  • Aufenthalt im Geburtshaus mit allen Leistungen wie Räume, Wanne, Dusche, Handtücher etc. (je 24 h inkl. 3 Stunden Aufenthalt nach der Geburt) = 3.500 NZ$

Krankenhaus:

  • 24 Stunden Aufenthalt auf einer postnatalen Station im Krankenhaus = 1.620,35 NZ$
  • Krankentransport = 800 NZ$
  • Kaiserschnitt – Operationssaal = 2666,00 NZ$
  • Ärzteteam während eines Kaiserschnitts 664,93 NZ$

Die Preise in NZ$ wirken zuerst gewaltig. Zur Zeit unseres Aufenthaltes, war ein Währungskurs von 1€ zu 1,81 NZ$ aktuell.

20200713_171407[1]

Krankenversicherung

Schon auf der ,,Schwanger Reisen“ Seite konntet ihr viele Informationen zur Krankenversicherung bekommen. Auch an dieser Stelle wollen wir nochmals darauf aufmerksam machen, dass es viele verschiedene Krankenversicherungen gibt, welche die Geburt und die Kosten bis zur 36. Schwangerschaftswoche ausschließen. Andere Versicherungen bieten einen ,,Rundumschutz“ und übernehmen die Kosten der Geburt in vollem Umfang. Hierbei gilt es allerdings wichtige Konditionen und Vertragsabschlüsse zu beachten, sodass der Versicherungsschutz auch gewährleistet ist! 

Auf welche Punkte sollte man achten?

  • Datum Versicherungsabschluss und Reiseantritt!
  • Bin ich während des Versicherungsabschlusses schon schwanger oder nicht?
  • Welche Kosten werden in meiner Versicherung übernommen und welche nicht? Notkaiserschnitt, Fehlgeburt etc.
  • Habe ich einen 24 Stunden Telefonhotline oder Mailkontakt um Fragen zu klären?
  • Welche Art und Höhe der Selbstbeteiligung ergeben sich?
  • Wie funktioniert das Verfahren zum Einreichen der Kosten und Anträge – Online oder postalisch?

Wir wussten vor Reiseantritt nichts über etwaige Visa und deren damit verbundene Kostenübernahme. Da unsere Versicherung die Kosten einer Geburt nur bis zur 36. Schwangerschaftswoche übernommen hat, entschlossen wir uns dazu die Geburt in unserem Reisebudget zu verankern. Anfallende Kosten, vor allem auch eventuell auftretende Notfälle, mit dem dafür vorgesehenen Puffer zu bezahlen.

Meine Hebamme ...

Dieser Abschnitt dreht sich nicht um die Tatsache, wie man die ,,richtige“ Hebamme findet, denn dies ist eine ausschließlich individuelle Entscheidung. Jeder kann sich mit Personen unterschiedlicher Art besser oder schlechter identifizieren und kommt mit einem Menschen besser und mit einem anderen schlechter klar.

Hier sollen die Leserinnen und Leser erfahren, wie wir in Neuseeland eine Hebamme gefunden haben. Es soll euch bei der Planung helfen und euch Unterstützung bei der Realisierung geben. Nirgends auf der Welt spricht es dagegen, in einem Krankenhaus vorbei zu gehen und sich zu erkundigen. Auch der general practitioner informiert über übliche Vorgehensweisen im Land. Über findyourmidwife haben wir unsere Hebamme gefunden. Die Plattform funktioniert wie folgt:

  • voraussichtlichen Entbindungstermin angeben
  • über die Region kann man seinen Standort auswählen
  • unter dem Standort sind alle Hebammen zusammengefasst, welche in diesem Raum aufzufinden sind und dort zur Verfügung stehen oder ansprechbar sind
  • fast immer sind Bilder und Beschreibungen zur Person, sodass man schon einen ersten positiven Eindruck erlangen kann
  • in den Beschreibungen der Fähigkeiten sind Details, wie zum Beispiel ,,spezialisiert auf natürliche Geburten im Geburtshaus oder Hausgeburten“ erläutert
  • über diese Plattform kann man die Hebammen anschreiben und so den Kontakt herstellen und Termine vereinbaren

Auf diese Weise sind wir an unsere Hebamme Samantha geraten. Mit ihr konnten wir uns bestens identifizieren und können ausschließlich positive Sachen berichten. Sie unterstützte uns vor, während und nach der Geburt und ist ein außerordentlich aufgeschlossener, ehrlicher und herzlicher Mensch! So stellten wir uns unsere Hebamme vor und waren vollauf zufrieden mit ihr. Die Arbeit und das Suchen und Finden bezüglich der Plattformen im Internet funktionierte in diesem Fall sehr gut. Den ersten Kontakt zu ihr hatten wir ca. 10 Wochen vor dem berechneten ET, den ersten Termin dann 8 Wochen vorher. Nach der Geburt hat sie uns 6 Wochen unterstützt. Die Anzahl der Hausbesuche in den ersten 6 Wochen mit Baby war uns freigestellt.

BirthCare oder Krankenhaus?

Schon bei der Wahl der Hebamme fällt teilweise die Entscheidung, ob man im Krankenhaus oder lieber im Geburtshaus entbinden will/darf. Es hängt unter anderem von der individuellen Entscheidung und von der Tatsache ab, ob die Hebamme die Art der Geburt betreut oder nicht. Oft haben sich Hebammen auf bestimmte Gebiete wie Hausgeburten spezialisiert. Alles in allem kann man immer sagen, dass jeder für sich die Entscheidung treffen muss! Es gibt viele Pros und Kontras für beide Seiten.

In diesem Abschnitt können die Leserinnen und Leser über beide Seiten Informationen erhalten, ums sich so ein eigenes Urteil zu bilden. 

Wer vor hat im Geburtshaus zu entbinden, der muss sich über eines im Klaren sein: ,,Treten Komplikationen egal welcher Art auf, ist ein Transport in das Krankenhaus mit der Notfallambulanz zwingend notwendig“. Ihr solltet also vorher darüber nachdenken ob ihr lieber auf Nummer sicher geht, oder den Transport unter Wehen scheut.

Das BirthCare in Auckland…

lernten wir im Zuge der ersten Termine mit unserer Hebamme kennen, da wir hier zur Sprechstunde empfangen wurden. Schon bald darauf konnten wir einen Besichtigungstermin vereinbaren und uns die Geburtsräume ansehen, sowie die Zahlungsmodalitäten abklären. Das Geburtshaus wurde 2018 komplett renoviert. Die Räume verfügen über Badewannen, Liegen, Sofas und Bad mit eigener Dusche und Toilette. Man kann Gemeinschaftsräume wie Küchen und Equipment nutzen. Der Geburtsraum ist groß und genügend ausgestattet. Es bietet sich die Möglichkeit seine eigene Musik über Lautsprecher laufen zu lassen, das Licht wie gewünscht zu dimmen oder, wem es gefällt, Düfte über einen Diffuser abzugeben. Kurz: ,,Es gibt alles was das Herz begehrt.“ Alles ist in einem Festpreis integriert. Sollte der Fall eintreten, dass man nicht auf natürliche Weise im Geburtshaus entbinden kann oder einen Krankentransport in das Krankenhaus möchte, dann kommt das Geburtshaus einen Schritt auf die Eltern zu und man bekommt einen Anteil der Kosten zurück. Wer möchte, und die ersten Tage nach der Geburt nicht allein zu Hause verbringen will, kann sich im BirthCare ein Zimmer mieten, auch mit Partner und sogar, wenn man im Krankenhaus entbunden hat. Hierbei ist dann eine Rundumbetreuung durch Hebammen gewährleistet. Wir haben hier die Erfahrung gemacht, dass das gesamte Personal äußerst freundlich und vor allem verrückt nach Baby´s ist.

Das Krankenhaus in Auckland

Auf der Entbindungsstation im Auckland City Hospital ist eine 1 zu 1 Betreuung Standard. Hier hat man die Wahl seine Beleghebamme mitzubringen oder sich von den Hebammen des Krankenhauses betreuen zu lassen. Die sogenannten birthing units sind nicht super modern wie das birthcare eingerichtet, jedoch bieten sie ebenso eine Wanne und ein Bett, sowie ein Bad mit eigener Dusche und Toilette. Plus, durch riesigen Fensterfronten und der Lage im obersten Stockwerk des Krankenhauses, einen wunderschönen Ausblick über die gesamte Stadt. Wer sich vor dem Krankenhaus fürchtet oder die Gruselgeschichten von schlechter Betreuung und Gewalt unter der Geburt gelesen hat, dem können wir hier nur Mut zusprechen. Wir wurden während unseres gesamten Aufenthalts ausnahmslos von allen, Hebammen, Ärzten, Schwestern vorbildlich betreut. Einen herzlicheren Umgang kann man sich tatsächlich nicht wünschen. 1 zu 1 Betreuung wird sogar so ernst genommen, dass die Hebamme während wirklich jeder Minute ihrer Abwesenheit für Ersatz sorgt. Wir haben dies teilweise für gar nicht notwendig empfunden, was wir jedoch zum Ausdruck bringen wollen, ihr werdet niemals allein gelassen und zu jeder Sekunde freundlich behandelt. Jeder Eingriff wird bestens kommuniziert. Wenn man unter der Geburt nicht ansprechbar ist bemerken dies die Mitarbeiter sofort und besprechen alles notwendige mit eurer Begleitperson.

BirthCare Parnell
Auckland Hospital Crafton
MAMA INC Sandringham

Unser Geburtsbericht

Eine Geburt im Geburtshaus, so natürlich wie möglich, mit Sam unserer Hebamme, Markus, mir und unserem Kind. So viel zum Plan. So naiv zu glauben dass Geburten gänzlich wie geplant verlaufen, war ich natürlich nicht. Dass aber so rein gar nichts klappen wollte, darauf hatte ich mich nicht eingestellt. Ich mache bis zuletzt Yoga, gehe auch im bergigen Auckland ausgedehnt spazieren, bin fit und voller Motivation. Meine Einstellung: Tschakaaa, komm nur ran Geburt! Ich freue mich auf diesen Tag, auf unser neues Menschlein, bin so neugierig, wissen wir ja das Geschlecht noch nicht. Entbindungstermin ist der 09.06.20, am Nachmittag des 04.06 fangen die ersten Wehen an. Mit Sam ist Folgendes ausgemacht: Wir treffen uns im Geburtshaus, wenn die Wehen alle 3 Minuten kommen, für 1 Minute anhalten und dieser Zustand für mindestens 1 bis 2 Stunden anhielt.
Noch Zeit, denken wir uns, gehen 22 Uhr raus für einen Spaziergang, holen uns am Take-away noch ein Stück Pizza. Zurück in unserem Zimmer legen wir uns ins Bett und schlafen noch mal eine Nacht, versuchen noch mal Kraft zu tanken. Das funktionierte sogar recht gut, ich wache circa alle 30 Minuten auf, bemerkte eine Wehe, gehe auf die Toilette und legte mich wieder hin. So die ganze Nacht. Am Freitag, den 05.06.20 nimmt die ganze Sache dann Fahrt auf, die Abstände zwischen den Wehen werden kürzer und zunehmend länger. Ich informiere Samantha, alles sieht so aus, als ob wir die nächste Nacht im Geburtshaus verbringen.
22 Uhr ist es dann endlich soweit, Wehen alle 3 Minuten, 1 Minute lang und so weiter, ihr kennt das Spiel :). Zu dieser Zeit ist es mir auch fast egal was der Wehentracker sagt. Die Wehen sind bereits so schmerzhaft das ich mich langsam nach Betreuung unserer Hebamme sehne.
Exakt 23 Uhr sind wir im Geburtshaus. Sam kontrolliert zu Beginn meinen Muttermund, 4 cm. Wir sind alle stolz :). Sie bemerkt aber auch sofort, dass unser Kind noch nicht ganz richtig liegt. Mit dem Köpfchen nach unten aber der Kopf ist nicht auf der Brust, sondern im Nacken und der Körper nach oben wie eine Schraube gedreht. Wir versuchen mit verschiedensten Techniken das Kind in die richtige Position zu bringen. Ich stehe abwechselnd mit dem Rücken an einer Wand, sitze auf einem Ball, stütze mich kopfüber von einer Couch ab, während Markus oder Sam mit Tüchern an mir rütteln, um uns näher ans Ziel zu bringen. Die Herztöne sahen zu jeder Zeit prächtig aus. Ich habe Wehen, teilweise drei Stück in fünf Minuten, allerdings total unregelmäßig. Sie werden immer stärker und mir fällt es zunehmend schwer mich zu konzentrieren, jede Wehe fühlt sich schmerzhafter, und ich, verkrampfter an. Ein neuer Tag beginnt, es ist der 06.06.20, 4 Uhr kontrollieren wir nochmals den Muttermund, immer noch 4 cm. Puh, na gut weiter! Ins Krankenhaus will ich nicht, habe ich doch schon allerhand Gruselgeschichten aus deutschen Kreißsälen gelesen. Um 6 Uhr befinde ich mich in der Wanne, ich zittere, fühle mich kraftlos und sage leise zu Markus: ,,Ich glaub, ich schaff das nicht mehr.“
Halb 7 kontrollieren wir noch mal und hoffen auf Fortschritt. Nichts da, 4 cm. Ich will ins Krankenhaus, Sam sieht es genau so, wir organisieren den Transport. Das Geburtshaus liegt keine 5 Autominuten vom Krankenhaus entfernt. Der Transport kommt mir dennoch ewig vor, ich verliere zwischenzeitlich völlig die Kontrolle über mich, ich weine, ich bettele nach einer PDA, einem Kaiserschnitt, zwischendurch darum zu sterben. Eine Dramaqueen bin ich eigentlich nicht 🙂
Im Krankenhaus bekommen wir schnell eine ,,Birthing Unit“ für uns. Sam begleitet uns weiter, bereitet uns aber schon darauf vor, dass sie verständlicherweise nicht ewig da bleiben kann und uns irgendwann an eine Hebamme des Krankenhauses übergeben wird.
9 Uhr bekomme ich die PDA und kann mich endlich wieder sammeln. Danach öffnet Sam meine Fruchtblase, wir erhoffen uns, dass die Geburt dadurch endlich schneller vorangeht. Leider brachte dies nicht den gewünschten Effekt.
Wir versuchen nun die Wehen künstlich mit Oxytocin zu kontrollieren und unser Kind weiterhin, mit allerhand Bewegung und Gerüttel, in die gewünschte Position zu bringen.
Und ab jetzt können wir es kurz machen, 20:30 Uhr wer hätte es gedacht, 4 cm! Difficult labor progress, nannten sie es.
Um 21:34 Uhr wurde unser Kind per Kaiserschnitt geholt, ein Junge. 
Abschließend kann ich das Auckland City Hospital nur loben. Meine Angst war völlig unbegründet! Durch die recht lange Geburt habe ich 3 Hebammen kennenlernen dürfen. Eine herzlicher als die andere. Die Anästhesistin, welche mir die PDA verabreichte, streichelte mir den Rücken und sagte: ,,Almost done, Darling.“
Das Team im OP Saal hat es geschafft, unsere mehr als holprige Geburt, zu einem trotzdem wunderschönen und emotionalen Ereignis zu machen. Ich war die gesamte Zeit wach und ansprechbar. Eine der OP Schwestern stand immer neben mir, erklärte mir jeden Schritt, wie es sich gleich anfühlen wird, was als nächstes passiert. Sie erkundigte sich immer wieder nach meinem Befinden. Zu meiner anderen Seite stand Markus. Noch bevor ich in den OP geschoben wurde, hörte ich jemanden fragen ob wir eine Kamera dabei hätten. Klar haben wir! Selbst hätten wir wahrscheinlich keine Fotos gemacht, aber sogar dafür wurde im OP gesorgt.

Ein dickes Danke!

Vor- und Nachgeburtliche Untersuchungen

Sobald man schwanger ist sucht man sich einen LMC (Lead Maternity Carer). Der kann sein: Eine Hebamme, ein GP (gereral practitioner), oder ein Gynäkologe. Letzteres ist eher selten, da man diesen in jedem Fall selbst bezahlen muss und man überhaupt, Gynäkologen nur sieht, wenn gewünscht oder es irgendwelche Probleme in der Schwangerschaft gibt. Ansonsten werden Vorsorge Untersuchungen von der Hebamme oder dem GP erledigt.
Wer im Krankenhaus entbindet, braucht nicht zwingend eine Beleghebamme und geht wahrscheinlich zur Vorsorge weiterhin zum GP. Wer jedoch im Geburtshaus entbinden möchte, braucht dringend eine Beleghebamme und zwar eine, die auch mit dem gewünschten Geburtshaus zusammen arbeitet. Die Termine vor der Geburt sind essentiell wichtig für die Geburt. Sie sind eine Art Bestandsaufnahme der Schwangerschaft, um daraus Komplikationen während der Geburt zu vermeiden. Eine Geburt im Geburtshaus ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, Diabetespatientinnen oder Mehrlingsgeburten werden lieber gleich ins Krankenhaus verlegt.
Nach der Geburt dienen die Termine mit der Hebamme dem Beobachten der Genesung der Mutter und wesentlichen Dingen, die sich um die Gesundheit des Kindes drehen.

Wir können an dieser Stelle von unsere Erfahrungen berichten:

In der 30. Schwangerschaftswoche lernten wir unsere Hebamme kennen. Bis zum errechneten Geburtstermin trafen wir uns in den ersten Wochen vierzehntägig und dann vier Wochen vor errechnetem Geburtstermin wöchentlich. Nachgeburtliche Untersuchungen hatten wir direkt am ersten Tag nach der Geburt. Im Anschluss vergrößerten sich die Abstände der Termine auf zwei- bis fünftägige Rhythmen. Wir empfanden die Art der Betreuung als ausreichend, sinnvoll und in Neuseeland als sehr professionell. Die Art und Intensität der Betreuung ist jedoch immer von Fall zu Fall und von Schwangerschaft und Komplikationen abhängig und individuell zu bewerten.

Die folgenden Stichpunkte sollen kurz thematisch verdeutlichen, welche vor- und nachgeburtlichen Untersuchungen in Neuseeland vorgenommen werden.

Vorgeburtliche Untersuchungen

  • Anamnese im Gespräch (Wie verläuft die Schwangerschaft, Ernährung, Diabetes, Mobilität, Nebeneffekte, Raucher etc.)
  • medizinische Anamnese (Vorerkrankungen, Allergien etc.)
  • Geburtsplan (z.B. Wann ist es Zeit in das Geburts- oder Krankenhaus zu gehen? Wassergeburt, Durchtrennen der Nabelschnur, Wie gehen wir bei Komplikationen vor? Usw.)
  • Geburtsvorbereitungen (Massagen und Akupressur)
  • diverse Bluttests (Eisenwerte etc.)
  • regelmäßiges Abtasten des Bauches zu den Terminen – dabei Herztöne des Kindes untersuchen, Lage und Größe des Kindes beobachten
  • Urintests

Nachgeburtliche Untersuchungen

  • regelmäßige Visite der Mutter nach einer natürlichen Geburt oder nach einem Kaiserschnitt (Wundversorgung etc.) 
  • regelmäßige Visite des Kindes (visuelle Prüfung der Haut, Dehydration, Ernährungszustand, Nabelschnur etc.)
  • Thema: Stillvorgang und Ernährung (Brustpumpe, Nahrungsergänzung?)
  • regelmäßige Gewichtskontrolle des Kindes etc.

Sport nach der Geburt

Auch nach einem Kaiserschnitt ist Sport möglich und auch wichtig. Es kursiert das Gerücht, nach einem Kaiserschnitt brauche man keine Rückbildung, ich mag dieses Wort nicht aber nun ja, so nennt man es nun mal. Die Beckenbodenmuskulatur wird nicht nur während einer natürlichen Geburt stark belastet, sondern auch während der Schwangerschaft, vor allem, durch das zunehmende Gewicht der Gebärmutter, des Kindes usw.. 
Nur die Schonungsphase nach einem Kaiserschnitt, im Gegensatz zu einer unkomplizierten natürlichen Geburt, ist etwas länger. Aber danach ist leichter Sport durchaus sinnvoll! Auch in Neuseeland häufen sich die Angebote von Babyschwimmen bis Gymnastik. Für wen das nichts ist, dem empfiehlen wir an dieser Stelle wieder die Downdog App,  besonders wenn ihr mit dieser schon Schwangerschaftsyoga gemacht habt. Die App ist sehr variabel in ihren Sportarten. Neben Yoga für Schwangere werden auch andere Aktivitäten/Arten von Yoga, Yoga für Anfänger, High Intervall Training, 7-Minuten Training angeboten. 

Geburtsurkunde, Reisepass und andere Dokumente

Ein weiterer sehr wichtiger Abschnitt, befasst sich mit der Tatsache, dass im Geburtsland bestimmte Dokumente organisiert werden müssen. Diese sind teilweise unersetzlich und sichern den Fortbestand der weiteren Reise. An dieser Stelle meinen wir explizit das Beschaffen einer Geburtsurkunde und das Beschaffen eines Reisepasses. Wer die Möglichkeit hat, die Geburt im Ausland zu realisieren, der sollte sich Gedanken machen, wie man an wichtige Dokumente kommt und welche man für das weitere Reisen benötigt. In erster Linie ist die Grundvoraussetzung eine gültige Geburtsurkunde zu besitzen. Mit dieser können dann alle weiteren Anträge beim deutschen Konsulat gestellt werden.

Worüber sollte ich mir Gedanken machen?

  • An welche Dokumente denke ich vor Reisebeginn (ggf. Geburtsurkunden der Eltern? Vaterschaftsanerkennung oder Eheurkunde der Eltern?)
  • Welche Dokumente muss ich vor Reisebeginn besorgen oder beantragen?
  • Wie komme ich nach der Geburt an die Geburtsurkunde oder wo kann ich sie im Land beantragen?
  • Ist eine deutsche Botschaft oder ein Konsulat in der Nähe?
  • Kann ich dort einen Reisepass beantragen und welche Dokumente – ggf. auch die der Eltern werden dazu benötigt?
  • Gibt es ein Beantragungsverfahren, kann ich persönlich Termine wahrnehmen, um bestimme Fragen zu klären?
  • Wie lange dauert die Beantragung der erforderlichen Dokumente und überschneidet sich die Zeit mit meinem Abreisedatum?

Wir erinnern uns an die Zeit in Neuseeland und…

können schildern, dass die Beantragung der Geburtsurkunde ziemlich einfach und Online zu erledigen war. Nachdem das Formular ausgefüllt und der zuständigen Behörde zugesandt wurde, setzte sich diese mit dem von uns angegebenen Krankenhaus in Verbindung, und wir bekamen ca. drei Wochen später Post mit den zwei bestellten Geburtsurkunden. Alles was wir dazu benötigten war eine Postadresse. Unserer Erfahrung nach kann die Postadresse auch die Adresse eines Hotels sein. Die Beantragung des Reisepasses ist im Gegensatz dazu ein wenig umfangreicher. Hierfür werden, neben einem Termin beim Konsulat, ein Antag, 2 biometrische Passfotos – ja auch von Neugeborenen, die Geburtsurkunde und noch weitere Dokumente benötigt. Da wir noch eine Weile in Neuseeland bleiben, schieben wir die Beantragung noch ein wenig vor uns her, berichten dann aber dazu später noch einmal detaillierter.

Impfungen und regelmäßige Check ups

Nachdem die Behandlung und die Nachsorge der Hebamme beendet ist, wird man in der Regel nach einer bestimmten Wochenzahl an den Haus- oder Kinderarzt übergeben. Hier kann einer der wichtigsten Punkte thematisiert werden. Die Immunisierung gegen bestimmte Krankheiten! Aber wieso ist es wichtig zu immunisieren? Babys sind normalerweise mit einiger passiver Immunität gegen bestimmte Krankheiten ausgestattet. Diese passive Immunität allein kann aber nicht vollen und rundum Schutz gegen ernsthaftere Krankheiten bieten. Daher ist es wichtig Kinder in der richtigen Reihenfolge und in der bestimmten Alterswoche zu impfen. 

 

The National Immunisation Schedule New Zealand

In vielen Ländern ist die Immunisierung entweder empfohlen oder sogar vorgeschrieben. Wer zum Beispiel vor hat, sein Kind in Neuseeland in einen Kindergarten zu integrieren, muss bestimmte Impfungen, wie die Impfung gegen Masern nachweisen. Hierzu sollte man sich dringend informieren, denn die Impfungen können je nach Land ziemlich unterschiedlich zu Deutschland sein. 

Bestimmte Untersuchungen wie zum Beispiel ein Hörtest oder der Metabolismus Test des Blutes sind in Neuseeland kostenfrei und werden teilweise noch im Krankenhaus oder zu Hause mit der Hebamme erledigt! Daher empfehlen wir nach der sechsten Woche der Geburt, einen Termin bei einem Arzt wahrzunehmen, sich um die Immunisierung und regelmäßigen check ups seines Kindes zu kümmern. 

Wissenswert ist an dieser Stelle, dass die Impfstoffe für Kinder, welche in Neuseeland geboren wurden, zuzahlungsfrei oder generell kostenfrei sind. Es werden nur die Kosten des Arztes oder der Schwester bezahlt.

Man sollte, insofern man eine Auslandskrankenversicherung besitzt, vorher checken, ob eventuell anfallende Kosten für Termine oder Impfstoffe übernommen werden, wenn man schon auf Reisen ist. 

Aus unserer Erfahrung können wir folgendes berichten:

Nachdem wir von unserer Hebamme die Schlussuntersuchung bekommen haben, übergab sie uns mit einer kleinen Zusammenfassung dem Hausarzt. Dies fand nach der sechsten Alterswoche unseres Kindes statt. Der Hausarzt konnte selber ausgesucht werden. Nach Terminvereinbarung und vorstellig werden, konnten wir unsere Daten und Kopien unserer Reisepässe in der Praxis lassen. Wenige Tage danach hatten wir einen Termin zum Impfen. Alle Impfungen für Kinder, welche in Neuseeland zur Welt kommen, sind frei – egal ob neuseeländischer Staatsbürger oder nicht! So bezahlten wir nur die Kosten, welche den Arzt oder die Schwester betrafen und nicht die Kosten der Impfstoffe. In der sechsten Woche bekommt man in Neuseeland unter anderem Impfungen gegen Krankheiten oder Keime wie Rotaviren, Diphtherie, Tetanus usw..

Wir hoffen ihr konntet aus den auf dieser Seite enthaltenen Informationen und Ratschlägen das Wichtigste für euch herausziehen! Wir wünschen euch alles Gute!

Liebe Grüße
Markus und Anna